Wüste 2.0

Mein Hostel in Neiva bietete zu einem Spotpreis eine eintägige Tour durch die Wüste (eigentlich trockener tropischer Regenwald) Tatacoa an. Zu dritt – eine nette Französin und eine bizarre Taiwanerin vervollständigten die Gruppe – wurden wir von einem Auto abgeholt. Die Wüste ist in zwei verschiedene Landschaften aufgeteilt; in den roten Teil und in den grauen Teil. Wir fingen im Grauen an. Dort führte uns ein Einheimischer ca 2 Stunden durch dürre Natur, durch ein ausgetrocknetes Flussbett, zeigte uns welche Kaktusfrüchte man ohne Bedenken essen kann, welche Blätter die Indigen zur Blutstoppung verwendeten, altes Holz des ehemaligen Waldes das nun zu Stein geworden ist usw. Anschließend gab es ein zu gut gemeintes aber sehr leckeres Mittagessen von seiner Frau zubereitet. Bevor wir in die rote Wüste wanderten kühlten wir uns noch kurz in einem Pool ab.

Der rote Teil schaut so aus wie er ausschaut (und ihr unten sehen werdet) weil das Regenwasser vom Untergrund nicht aufgenommen werden kann und stattdessen abrinnt. Die Farbe kommt von dem hier vorhandenen hohen Eisenanteil. Nach dem Spaziergang durch das sogenannte Labyrinth de Cuzco endete die Tour mit einem Getränk bei einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Sonnenuntergang.

Die Tour hätte auch den Rücktransport am selben Abend inkludiert, da am 24. das Observatorium am Abend aber geschlossen war – abgesehen von der einen Wüste in Chile soll dies einer der besten Plätze in Südamerika zum Sterne beobachten sein – blieb ich stattdessen noch in der Wüste und begab mich zu einer der wenigen Unterkünfte. Die heilige Nacht war leider nicht sonderlich erholsam; der größte Vorteil an der guajira war hier nämlich keiner. Kann sich noch wer erinnern? Richtig, dort gab es keine Gelsen, hier schon, und da ich in einer Hängematte ohne Gelsennetz übernachtete, gaben sie keinen Frieden.

Gestern wollte ich nach dem Frühstück den nahe gelegenen roten Wüstenteil noch einmal alleine erkunden. Ich machte mich relativ zeitig auf, um nicht die schlimmste Sonne zu erleiden (spoiler: hier bringt dieser Trick wenig). Dem Weg konnte man ohne große Mühen folgen, außer ein bis zwei Mal wo ich mich ein wenig verlaufen habe und den richtigen Weg erst etwas später wieder gefunden habe, teilweise mit der Hilfe eines Hundes (der mich zuerst ziemlich erschreckt hat). Nach einem leichten Mittagessen wirkte ich der Hitze mit einem weiteren Besuch eines Pools entgegen. So “wartete” ich bis die gelbe Sau endlich adios sagt und die Sterne aus ihren Höhlen gekrochen kamen.

Um 7 Uhr war der Einlass ins Observatorium, etwa um halb 7 realisierte ich, dass wesentlich mehr Personen teilnehmen wollen als ich ursprünglich dachte (überhaupt war gestern, am 25., deutlich mehr los als am Tag davor). Im Laufe der Vorstellung – es war in Wahrheit mehr eine Einführung in die Astronomie und was man so mit dem nacktem Auge erblicken kann – zeigte uns der Sprecher die Ekliptik (den imaginären Streifen in dem die Sonne, der Mond, unsere Nachbarplaneten und die Tierkreiszeichen über unseren Himmel wandern), Mars war zu sehen, verschiedenste Sternzeichen und deren Geschichten, die Andromeda Galaxy, Sirius (der hellste Stern am Himmel der eigentlich zwei Sterne ist), Betelgeuse (einer der größten roten Giganten, wäre er an der Stelle unserer Sonne würde er ungefähr bis zum Jupiter reichen), mit einem progessionellem Teleskop konnten wir außerdem den Nebel des Orion bestaunen (in diesem Nebel enstehen neue Sterne). Die Milchstraße war nicht sehr stark zu sehen, dafür konnte man zu meiner Überraschung die Lichtverschmutzung von Cali sehen, obwohl ein Teil der Anden dazwischen liegt. Es war zusammengefasst eine sehr informative Abendbeschäftigung, kurz nach dem Ende konnte man noch den schönen “Mondaufgang” sehen, dieser scheinte dermaßen stark, dass ich gar keine Taschenlampe zum heimgehen brauchte!

Heute wurde noch kurz am Pool gechillt, dann machte ich mich auf den Rückweg. In Neiva erholte ich mich mit Hilfe eines Ventilators von der Hitze und organisierte mir eine Unterkunft für Bogota (gar keine so leichte Entscheidung bei der riesen Auswahl).

P.S. Die am wenigsten respektvollen Touristen sind übrigends ziemlich eindeutig die Kolumbianer selbst! In der roten Wüste kletterten sie auf die Gesteinsformation, einer hat sogar einfach dort hin gepinkelt, sie halten sich nicht an Warteschlangen, sie sind lauter als andere Touristen, werfen den Müll einfach auf den Boden, holen ihr Handy heraus wenn sie nicht sollen usw.

1. Süße Babyziege die ein Blatt frisst (die Schaufel dahinter wurde später auch angeknabbert)

2. Kaktus arepo (benannt nach der arepa, kolumbianische alternative zur tortilla)

3. Graue Wüste

4. Essbare Kaktusfrucht vom cabeza del negro (Kopf des Schwarzen)

5. Unser Guide zwängt sich durch eine Engstelle

6. Ausgetrocknetes Flussbett

7. Nichts für blade Amerikaner 😉

8. Suchbild (level: medium-hard)

9. Red-desert an me

10. Flashiger Kaktus und red-desert

11. Hier kann man die Regenrillen gut sehen (der Schein trügt übrigends, die Formationen sind nur etwas höher als ein Mensch)

12. Desert-pano

13. Shortly after the sun set behind the Andes

7 thoughts on “Wüste 2.0

  1. …der name deines blogs hat sich schon zigmal bestätigt…
    mir gefällt besonders die rote wüste…schmecken die kaktusfrüchte süß?
    suchbild: ein großer schwarzer vogel macht grad viel gaga😂
    doch keine stille „heilige“ nacht😉
    wunderbarer bericht, wahnsinn was du erlebst und tolle fotos! danke!😘

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  2. Schließe mich meinen Vorpostern an. Vor allem die Fotos der roten Wüste sin sehr geil. Warum hast du immer flip flops an?? Gibt’s dort keine gefährlichen viecher??

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