Urlaub in San Pedro

Mit der Übersiedlung in die Unterkunft am See hat sich unser Tagesablauf drastisch verändert. Bisher war es eine Reise, die letzten 4 Tage (5 Nächte) waren allerdings einem herkömmlichen Urlaub ähnlicher.

In der Früh gemütlich aufstehen, zu einem der vielen netten Früstückslokale schlendern, später in der Hängematte chillen, zum abkühlen mal in den See springen, einen Kaffee/Smoothie trinken gehen, so verging die Zeit in den letzten Tagen. Aber wir blieben nicht ganz untätig.

Einmal borgten wir uns am frühen Vormittag ein Kayak aus und überquerten den See zum Playa Las Cristalinas, anschließend paddelten wir zum Ort San Juan und schließlich zurück. Das ganze dauerte ca 3,5 Stunden (nicht alle davon wurden im Kayak verbracht) und wir paddelten etwa 6 Kilometer. Lago de Atitlan glich an diesem Tag eher einem Meer, was dem Unterfangen einen abenteuerlichen Hauch verlieh. Der angeblich kristallklare Strand war nicht besonders schön, wirklich ins Wasser gehen wollten wir aber sowieso nicht. Der Nachbarsort bestand interessanter Weise zu ungefähr 80 Prozent aus Kunstgeschäften, die alle die gleiche Art von Bildern verkauften. Ansonsten war er ganz nett, aber auch nicht der Höhepunkt des Ausfluges. Dieser war dann wohl doch das kayaken selbst.

Einen anderen Tag sind wir um 3:30 aufgestanden und wurden mit einem Minivan zur Nariz del Indio – ist ein Teil der Bergformation die wie ein Gesicht ausschaut – gebracht. Von dort wanderten wir (eine Gruppe von 5 Touristen und 2 Guides) etwa eine halbe Stunde bei Sternen- und Stirnlampenlicht zur Aussichtsplatform. Die Uhr zeigte kurz vor 5 an als wir dort eintrafen. Während die Guides für uns Kaffee über einem kleinen Feuer kochten, bestaunten wir den Sternenhimmel, den schimmernden See und die Lichter der vielen Dörfer um das große Gewässer. Mit ein wenig Glück sahen wir sogar einen am Horizont liegenden Vulkan ausbrechen. Da es noch dunkel war, konnte man trotz der Distanz wunderbar sehen, wie sich die Lava über den gesamten Gipfel ausbreitete bis sie kurz danach versteinerte (oder zumindestens nicht mehr so stark glühte, dass sie von der Distanz sichtbar war). Ein einzigartiger Anblick. Noch bevor der Horizont anfing Farbe anzunehmen, hörte man die nahe gelegenen Dörfer – die doch ca. 1 Kilometer weiter unten lagen – erwachen. Zuerst das Bellen der Hunde, dann die Hähne, und mit den ersten Sonnenstrahlen auch die ein oder andere Kirche (es war immerhin Sonntag). Alles in allem war es meiner Meinung nach ein magischer Morgen. Leider war bei der Rückfahrt ein Teil der Straße gesperrt, so warteten wir zuerst im Auto eine halbe Stunde, bis unser Fahrer gemeint hat wir fahren mit dem Boot weiter, auf das wir nochmal eine halbe Stunde gewartet haben.

Einen Nachmittag verbrachten wir bei Smoking Joes, wo jeden Sonntag das beste BBQ Guatemalas statt findet. Man trifft dort hauptsächlich auf Expats, die bei Getränken, Pool, und laut Clemens das beste gesmokte Brisket das er je gegessen hat, den Nachmittag verbringen.

Heute, Montag, fuhren wir mit dem Boot nach San Marcus und sonnenbadeten dort in einem “Nationalpark”. Dort gab es auch sehr coole Gelegenheiten zum in den See springen (mit einem Seil, über einen Baum der horizontal über das Wasser hinaus wuchs, oder von einer fast 10 Meter hohen Platform) und das Wasser war angenehem erfrischend.

Morgen geht es weiter nach Antigua, die Verabschiedung von underem Quartier und dem ganzen Dorf wird (mir) nicht leicht fallen…

Hier noch Bilder vom Ausblick der Indianernase, ich in der Hängematte vorm Zimmer, und ich am üben meiner Schwebekünste in San Marcus. (Bilder und Bild vom letzten Post kommen wenns gscheites Internet gibt, vll morgen beim früshtück, wenn ich nicht vergesse)

¡Hola amigo!

Um 6:45 begaben wir uns mitten unter die noch mit dem Aufbau beschäftigten locals. Einige wenige waren schon verkaufsbereit, aber hauptsächlich Stände wo Lebensmittel, oder sonstige Ware die weniger an die Touristen gedacht war, verkauft wurden. Um dem Markt also noch ein kleines bisschen Zeit zu geben um wach zu werden, setzten wir uns erstmal zu einem Frühstück in das Herz des Geländes. Anschließend schlenderten wir durch den immer größer werdenden Markt und bemerkten zugleich, dass er doch nicht ganz so riesig ist wie uns vermittelt wurde.

Es gab zwar allerlei schöne Stoffe und Masken und sonstiges, der Ruhm des Marktes stieg den Preisen allerdings etwas zu Kopf. Zusätzlich war es einem fast unangenehm stehen zu bleiben und die Produkte zu begutachten, denn bereits beim vorbeigehen ertönten die Worte hola amigo und die ersten Verhandlungen liefen bevor man überhaupt bekannt gab etwas kaufen zu wollen. Wir begnügten uns demnach damit nur kreuz und quer zu spazieren, in der Sonne sitzen und zu schauen, einen Kaffee trinken, bis dann so um 10-11 Uhr der Großteil der Touristen kam.

Wir entschuldigten uns kurz von dem Gewusel und erklommen einen nahe gelegenen Hügel auf dem – angeblich – alte Mayaschreine und Rituale zu sehen sind. Falls dies nicht ganz wahrheitsgetreu war, es hat ein bisschen nach irgendwas ausgeschaut, so hatten wir zumindestens einen schönen Ausblick über den Friedhof und den Ort.

Nach einem ausgiebigem Mittagessen war unser nächstes Ziel San Pedro La Laguna am Lago de Atitlan. (Der Mehrheit der Reisenden unbewusst gibt es ein Gedicht in der deutschen Sprache zu dieser Gegend; Eidelan schauen wir paar titlan an am lake atitlan. Der Author von diesem Meisterwerk der klassischen Literatur ist leider nicht bekannt) Der Weg zu San Pedro war kein leichter, erst nach drei Mal umsteigen kamen wir dort an. Auf dieser Strecke fuhren wir das erste Mal auf der panamerikanischen Autobahn, leider nur ein kurzes Stück. Warum leider fragen sich jetzt vielleicht manche; aus dem einfachen Grund, dass diese zweispurig ist, und daher solch lebensmüde Manöver wie Chickenbus versucht zwei Autos auf enger Bergstraße in Linkskurve zu überholen weniger oft zustande kommen.

Der Clemens las vor kurzem, dass der einzige Unterschied zwischen dem Chickenbus und dem kleineren Minibus die Geschwindigkeit ist. Was der Artikel aber vergessen hat zu erläutern, ist dass die Chickenbuses die Schnelleren sind.

Gegen aller Erwartung sind wir also heil in San Pedro angekommen und checkten in unsere Unterkunft ein. Da es schon späterer Nachmittag war, schauten wir uns gar nicht erst weit nach netten Lokalen um, sondern setzten uns einfach mit einem Erfrischungsgetränk an den Steg und genossen den Ausblick. Zum Abendessen gab es billige gute mexikanische Tacos, auf Empfehlung der Helenur.

Heute suchten wir am Vormittag nach einem anderen Hotel, weil wir mit dem bisherigen nicht ganz zufrieden waren und wir doch einige Nächte hier bleiben wollten. Mit etwas Glück fanden wir dann am Ende der Suche eine Unterkunft mit netten Sitzmöglichkeiten vor dem Zimmer, Ausblick auf den See, privatem Bad und das alles noch dazu billiger als zuvor.

Den restlichen Tag verbrachten wir eher gechillt, wozu einen der Ort aber auch ziemlich verleitet. Ein Smoothie hier, ein netter Park im Nicht-Touristen-Viertel dort und zur Krönung noch einmal ins Wasser gehüpft. So lässts sich leben! 👍🏼

Hier noch ein Bild mit Ausblick auf bunten Friedhof von Chichi-Hügel (geht grd net weil inet doof)

Chichicastenango

Small update weil spät, also alle Fehler sind definitiv nur weils schon so spät is

Wir übersiedelten von Nebaj nach Chichicastenango. Der bereits etwas größere Ort ist berühmt für den angeblich tollsten Markt in Guatemala, allerdings nur am Donnerstag und Sonntag. Da wir am Mittwoch dort eintrudelten, hatten wir vor, uns noch mit dem Gelände des morgigen Marktes vertraut zu machen. Leichter gesagt als getan, denn seit einigen Jahren sind viele der Marktstände nun fester Bestandteil des Hauptplatzes.

Übriggebliebene Zeit schlugen wir am – durch und durch bunten – Friedhof tot. Dort bemerkten wir auf einem der Grabsteine einen lustigen Zufall, denn wird euch der Clemens aber sicher noch zeigen ;). Außerdem fiel uns auf, dass die Hauptbewohner dieser Gedänkstätte wilde Straßenhunde sind. Sogar Hunde wissen wer die Gringos sind, deswegen verzogen wir uns nach Kurzem auch schon wieder aus deren Revier.

Am Rückweg erspähte der Kaffeemens eine Kaffeemaschine, die ihm derartig den Kopf verdrehte, dass er erst nach ~5 Mal Meinungswechsel zum Entschluss kam, dort einen Espresso trinken zu wollen. Wenig später kamen wir allerdings bei einem Lokal mit dem Slogan best coffee in town vorbei, und mussten logischerweise bestimmen ob diese Feststellung denn nun auch wirklich stimmte. (Ja)

Da der Markt am kommenden Tag in der Früh besonders spannend sein soll, begaben wir uns früh zu Bett. Die Erzählung zum Markt – und dem restlichen Tag – folgt (wahrscheinlich) erst morgen.

Hier noch ein Bild mit Friedhof im Hintergrund (vielleicht nur mit Lupe sichtbar) und Clemens im Vordergrund (sollte ohne Lupe sichtbar sein)

Nebaj

Mit unserem ersten Chickenbus wurden wir von Uspantan nach Nebaj gebracht, eine Kleinstadt in einem Tal, eingeschlossen von Bergen die ein wenig an die Ausläufe der Alpen erinnern. Nach kurzem umschauen in den eher lauten Straßen, und der ersten Absage von einem Hotel weil es voll war, fanden wie unsere bisher günstigsten Betten. 4,38€ pro Person und wir hatten sogar 4 Betten zur Auswahl.

Weil der arme Clemens aber leider noch immer nicht ganz fit war, entschieden wir uns an diesem Nachmittag nur mehr für eine Erkundung der Stadt, statt Wandern zu gehen. Nachdem wir uns mit der unmittelbaren Umgebung bekannt gemacht haben, setzten wir uns mit einem kühlen Getränk auf den in Sonne gebadeten Hauptplatz (der übrigens immer bei der Kirche ist) und beobachteten. Wir beobachteten Kinder die ein wenig Geld durch Schuhe putzen verdienten, etliche ältere Einwohner die ebenso wie wir nur herum saßen und schauten & Schulkinder die am Weg nach Hause waren.

Am nächsten (heutigen) Morgen sind wir zu einer christlichen Uhrzeit aufgestanden, gemütlich Frühstücken gegangen und anschließend aufgebrochen auf einen Wanderweg der uns über kleine Berge (der höchste Punkt war ca 2340 Höhenmeter) zu dem Mini-Ort Cocop brachte. Der Anstieg war ein langsamer und anstrengender. Unterwegs trafen wir auf einen kleinen Schlingl der sich von uns streicheln ließ und uns dann ein paar Minuten folgte, bis er einen Abgrund hinunter kletterte um eine Windel zu zerfetzen und anderen Müll zu fressen 🤦🏻‍♂️.

In Cocop, das unseren Schätzungen zu Folge nicht mehr als 300 Einwohner haben kann, kauften wir eine kühle Dose Cola und machten uns auf den Weg ins Tal zum Ort Rio Azul, von wo wir ein Auto nach Nebaj anhalten wollten. Nach ein paar Metern wurde uns klar warum der Weg hauptsächlich von Eseln begangen wurde. Wo zuerst noch Schotterstraßen waren, war jetzt nur mehr ein schmaler extrem Gatschiger Weg mit vereinzelten Trittsteinen um die Schuhe nicht komplett zu verdrecken. Wo am Beginn der Wanderung noch Fichtenmopeds unterwegs waren, hörte man nun allerdings nur mehr das Plätschern des Baches der uns bis ins Tal begleitete. Leute bekamen wir wenige zu sehen, und die die wir sahen, waren außerst überrascht uns anzutreffen.

Per Anhalter gelangten wir wieder nach Nebaj, genau rechtzeitig für ein verspätetes Mittagessen. Danach hieß es, zum zweiten Mal auf dieser Reise, für den Clemens einen Schneider zu suchen. In zwei Hosen hat er schon ein schlecht repariertes Loch, schafft er es bis zu seinem Rückflug auch noch die Badehose kaputt zu machen? Ich werde euch am Laufenden halten!

Etwas erledigt vom Gehen entspannten wir ein zweites Mal im Park und chillten anschließend im Restaurant unseres Hostels bei Erfrischungsgetränken, Kaffee und schließlich einem Abendessen.

Hier noch ein Foto von den beiden Schlingeln

Falscher Film

Auf der Fahrt nach Coban bemerkten wir die ersten Anzeichen der Veränderung. Nanu, woher kommen denn die Nadelbäume auf einmal? Das Landschaftsbild veränderte sich langsam von tropischer Flora zu lichter werdenden Wäldern. Auch die Nächte und Morgenstunden erinnerten in Coban eher an Frühlingsverhältnisse aus Österreich, Pullis und lange Hosen kamen also zum ersten Mal zum Einsatz.

Ansonsten ist nicht sonderlich viel zu berichten von unserem Aufenthalt in Coban. Kardamom wurde (und wird) hier jede Menge angebaut, anscheinend auch von unseren nördlichen Sprachverwandten. Der Reiseführer gibt an, dass deutsche Migranten im 19. Jahrhundert hierher kamen und durch große Kardamomplantagen wohlhabend wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die meisten jedoch vertrieben. Zu viel Mehr ist der Reiseführer leider aber manchmal nicht zu gebrauchen, da es nicht zum ersten Mal unser Hostel nicht mehr gab. Auch Restaurants, Informationscenter oder ähnliches suchten wir bereits öfters vergeblich – das Ganze erinnert mich ein wenig an die Situation in Finnland 🙄.

Durch den Nationalpark, der quasi mitten in der Stadt liegt, spazierten wir für ca eine Stunde, verließen diesen aber vorzeitig wieder. Schlechte Beschilderung der Wege, teilweise nicht geräumte Wege und grundsätzliche unspannende Natur enttäuschten uns ein wenig. Der lokale Markt hingegen war um einiges interessanter, besonders auffallend waren die dutzenden lebendigen Truthähne und Hühner die in den Körben, wahrscheinlich stark sediert, herum lagen.

Auf der Suche nach dem Bus nach Uspantan – wo wir jetzt gerade sind – wurden wir am Busbahnhof leicht verwirrt angeschaut. Entgegen der Erwartung, dass wir entweder nach Flores oder Guatemala City wollten, dachten sich die Fahrer wohl was wir in diesem Hinterland wollen. Im Endeffekt war es ihnen dann aber doch egal, solange wir zahlten.

Apropos Thema Geld, mittlerweile ist uns aufgefallen, dass es den Guatemalteken schwer fällt zu verstehen, wenn wir Trinkgeld geben wollen. Wir probierten bereits verschiedenste Formulierungen von “50 Bitte” (nur als Beispiel), doch das Wechselgeld fand noch fast immer seinen Weg zu unserem Tisch. Und das, obwohl auf den Speisekarten oft dabei steht Tips not included.

In Uspantan angekommen, fanden wir schnell unser Hotel, dass eines der saubereren und gepflegteren bis her ist. Auf ein billiges, aber leckeres, Mittagessen folgte eine kurze Erkundungstour des Dorfes. Viel fanden wir nicht. Immerhin konnte Clemens aber ein Loch in einer seiner Hosen bei einem Schneider reparieren lassen. Pläne zu einem nahen Wasserfall zu wandern/spazieren fielen erstmals ins Wasser, da der Clemens etwas angeschlagen ist. So gestalteten wir den Nachmittag eben ruhig, ich bin dafür schon bei der Hälfte von meinem sechsten Buch auf dieser Reise 👌🏼.

Off the beaten track

Von El Estor aus wurden wir um 6:00 von einem Boot abgeholt, mit dem Ziel Seekühe zu sehen. Nur wir beide und der Kapitän, ein ganzes Naturreservoir nur für uns (fast, ein paar verstreute Fischer waren unterwegs) und drei Stunden Zeit. Dennoch waren wir im Nachhinein ein wenig enttäuscht und fast schon erfroren. Durch ein Zusammenspiel aus dem Fahrtwind, der frühen Tageszeit und der Badebekleidung kann einem selbst in Guatemala kalt werden. Manatees gab es keine zu sehen, lediglich deren Luftblasen (woher der Guide wusste von welchem Tier die stammen bleibt ein Rätsel) und einige Affen und Iguanas. Zum Glück war die Tour nur 300 Quetzales und nicht 300 Dollar wie uns ein Tripadvisorbericht glauben ließ.

Wir holten schnell unsere bereits zusammen gepackten Backpacks und eilten zum zentral gelegenen Park von wo die Colectivos in alle Richtungen los starteten. Zu Beginn war die Straße in einigermaßen gutem Zustand. Verwundert fragten wir uns warum dies hier mitten im Nirgendwo der Fall ist, es wurde uns allerdings klar als wir die riesige russische Bergbauanlage sahen, die eben diese Wege benutzte um per LKW das abgebaute Nickel zu transportieren. Zudem konnten wir die Narbe in der natürlichen Berglandschaft, die wir bereits vom Wasser aus erblickt haben, nun erklären.

Als wir das erste Mal Fahrzeug tauschten, da keines direkt zu unserem Zielort fuhr, war in dem bis zum Rand vollen Gefährt von Touristen nichts mehr zu sehen. Unser Plan war eigentlich die Rucksäcke immer mit ins Colectivo zu nehmen, auf Grund des Platzmangels mussten wir dann aber wohl oder übel zustimmen, die Tramper aufs Dach schnallen zu lassen. Wir waren aber gescheit genug alle unsere Wertsachen und Geld in den Daypack zu geben. Etwas über drei Stunden bewegten wir uns mit durchschnittlich 20km/h durch die Highlands Guatemala’s. Nachdem wir etliche Holzhütten passierten, viele ohne Boden oder echte Türen, kamen wir in den Ort Cahabon. Wir waren uns nicht sicher ob hier schon einmal ein Tourist übernachtet hat. Nichtmal mit perfektem Spanisch kommt man an diesem Fleck der Welt immer gut aus, ansonsten wirkte es recht interessant und auf jeden Fall sehr authentisch, aber wir fuhren doch lieber weiter. Angeblich sind ca 80% der guatemaltekischen Bevölkerung Maya und sprechen demnach auch viele verschiedene Sprachen. Auch in diesem Bergdorf war die Hauptsprache nicht Spanisch, sondern Q’eqchi.

Unser letztes Colectivo des Tages war zum Glück wesentlich weniger voll und wir ergaterten sogar einen Sitzplatz. In Lanquin angekommen waren wir überrascht über die billigen Zimmerpreise und entschieden uns demnach für ein Zimmer mit schönem Ausblick über das Tal. Lanquin ist zwar schon wieder etwas touristischer (wegen Semuc Champey) aber trotzdem merkt man, dass es ein abgelegenes Plätzchen ist. Zum Abendessen gab es Chufle mit Reis in einem überaus nettem und authentischem Restaurant (wir wissen nicht wirklich was Chufle ist aber ihr könnt es ja googlen, irgendeine Pflanze).

Mit der Sonne erwacht auch das Dorf, da wir aber sowieso früh aufstehen wollten, störte uns das weniger. Frühstückslokal war zur am Vortag vereinbarten Uhrzeit noch geschlossen (typisch Lateinamerikaner halt), also mussten Pupusos vom Straßenstand herhalten. Bevor wir auf die Ladefläche stiegen, senkte Clemens den Preis für den Pick-Up nach Semuc Champey mit geschicktem Verhandeln um ca 60%. Fast direkt zur Eröffnung des Geländes standen wir vorm Eingang. Als erstes hieß es ca 40 Minuten lang steile Stufen zur Aussichtsplatform hinaufsteigen, von dort hatten wir einen wunderbaren Blick auf die gesamten Becken, welche mit türkisem Wasser gefüllt sind (leider war diese Aussicht kaum zum einfangen auf Fotos).

Nach dem Abstieg und einer frischen Kokosnuss bestaunten wir die reißende Strömung vom Fluss Cahabon, der vor dem ersten Becken in eine Höhle verschwindet und unter den restlichen Becken durchfließt, bis er auf der anderen Seite wieder hinausfließt. Man ist sozusagen auf einer natürlichen Brücke. Da wir so zeitlich dort waren, blieben uns andere Menschen für einige Zeit erspart und wir genossen das Wasser und die relativ milde Sonne.

Zu Mittag verließen wir den Park kurz um zu essen – diesmal nicht Streetfood, es hätte zwar welches direkt vorm Eingang gegeben aber das hat ziemlich unappetitlich ausgeschaut – sondern das näheste Naturhotel, das auch ein Restaurant dabei hatte. Gesättigt erkundigten wir dort noch einen kleinen Wanderweg und die letzten Becken die wir uns “aufgehoben” haben für den Nachmittag. Zu dieser Uhrzeit waren leidee bereits große Gruppen Touristen vor Ort. Trotzdem entspannten wir noch und tankten Sonne, bevor sie hinter Wolken verschwand. In dieser Hügel-/Berglandschaft ist das Klima doch schon bemerkbar anders als an der Küste oder im Flachland. Am Heimweg mussten wir warten bis sich das Colectivo füllt, also sagten wir dem Fahrer das wir währenddessen zur Brücke (diesmal vom Menschen gebaut) vorspazieren, welche nur wenige Minuten Gehweg entfernt war. Beim hinunterschauen ist dem Clemens dann ein Schuh hinuntergefallen 🤦🏻‍♂️. So blieb der zweite dann auch dort, siehe Foto @clemenstravels.

Zum blogschreiben und hochladen gab es heute sogar ein Craftbeer. Noch ein bisschen Route planen, weil wir doch noch einige Tage über haben und schon ist es gefühlt 22 Uhr. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es doch erst kurz nach 19 Uhr ist. Es kommt einem aber auch immer später vor als es eigentlich erst ist, teilweise wahrscheinlich weil es eher früh dunkel wird.

Abenteuer und Nationalvögel

Warning – der folgende Eintrag ist leider etwas sehr lang geraten, ist das schon zu lange? Hat überhaupt jemand Zeit/Lust das alles zu lesen? Ich bin noch dabei die optimale Länge und Grad der Detailliertheit zu bestimmen.

Unsere bisherige Reise verlief in Wahrheit ziemlich geschmeidig. Den (Wasser)Weg von Livingston nach Rio Dulce wollten wir nun nicht mehr mit Tourishuttle zurücklegen, sondern endlich mal traveln wie die locals. Wir sind ja schließlich in Guatemala, es fühlte sich schlichtweg falsch an ständig die einfachere und teurere – wenn auch bequemere – Variante zu wählen. Die andere Option war in diesem Fall ein Boot in die Hafenstadt Puerto Barrios und von dort ein Minibus nach Rio Dulce mit einmal Umsteigen.

Fakt des Tages: In Mittelamerika gibts es zwei verschieden Wörterbücher, Eines für den Alltag und das Sonn- und Feiertagwörterbuch. Leider sind in dem Zweiteren Begriffe wie “pünktlich” und “Abfahrtszeiten” nicht enthalten.

Wir standen also am Steg und erfragten um wieviel Uhr denn das nächste Boot nach Puerto Barrios ging. “Es fährt wenn es voll ist” erklang es aus dem Tickethäuschen. “Halb so wild,” dachten wir uns, “wir haben ja keinen Stress.”. Die 4€ pro Person wanderten über den Tresen, und ich fragte noch schnell “Wieviele andere warten denn bereits?”.

“Tres otros… Sale cuando son veinte.”

“Ahh, gracias.”

Nach einer gefühlten Stunde Wartezeit begann die zuerst ruhig und dann immer wildere werdende Buchtenüberquerung endlich. In der rustikalen Hafenstadt wurde uns first things first direkt ein Taxi zum Verbindungsbus angeboten. Nein danke, die 800 Meter tragen uns unsere Füsse gerade noch.

Fakt der Woche: Im Mittelamerikanischen Wörterbuch (hierbei wird nicht zwischen den Beiden unterschieden) bedeutet das Wort Nein erst Nein, wenn man es zum fünften Mal sagt. Davor ist es eher mit Ja, bitte verkauf mir jede Dienstleistung die es nur so gibt gleichzusetzen.

Bei den Minibusen – auch colectivos genannt – eingetrotten, erlebten wir den Nationalvogel Guatemala’s, und dessen Gesang, zum ersten Mal so richtig. Die Rede ist vom Colectivoschaffner, der mit seinem Balzruf versucht möglichst viele Kunden in sein Gefährt zu stopfen. Beachtlich ist dabei die Ausdauer, Amateure hätten nach einem Konzert ihrer Lieblingsband noch eine bessere Stimme, als nach einem Tag im Colectivo.

Wir wurden also vom drängenden Hupen des Fahrers und den Rufen der Schaffner dazu überredet mitzufahren – was von vornherein unser Plan war. Da der Fahrer ein wenig gestresst wirkte, als ob er im Zeitplan hinten nach wäre, dachten wir uns “Super, wir fahren sicher gleich los.”. Nach geschätzten 20 Minuten stellte sich heraus das es noch viel über das Verhalten der Mittelamerikaner zu lernen gab.

Los ging es dann schließlich wenn das Auto wirklich voll war, und auch dann kam das Prachtexemplar eines Nationalvogels erst so richtig in Schwung. Lauthals verkündete er im Minutentakt wohin wir fahren, und erklärte Jedermann, dass sie eigentlich mitfahren wollten, es nur noch nicht wussten. 50 Kilometer Rallyrennen später wurden wir angewiesen auszusteigen, Clemens Handy ortete uns aber noch nicht in unserem Zielort. Kurze Verwirrung später saßen wir in einem anderen Colectivo und waren auf der Zielgeraden nach Rio Dulce.

Kaum ausgestiegen erfuhren wir von dem besten Hotel Guatemalas, die Information gabs natürlich aus Freundlichkeit und auf keinen Fall weil der Informant davon profetieren könnte. Apropos, “das Hotel das ihr sucht? Nein das gibts schon lange nicht mehr. It’s closet, closed, cerrado.” Da sich das sogar als wahr herausstellte, empfohl der Reiseführer ein Anderes das zwei Mal umfallen entfernt war. Die Zimmer waren allerdings feucht und mit Gelsen verseucht, von den “comfiest rooms in town” war hier wenig zu sehen (falls dies doch der Fall war, wäre es umso trauriger gewesen). Der Reiseführer lag hier nicht zum ersten Mal falsch, und wie sich noch öfters herausstellte, auch nicht zum letzten Mal.

Zu regnen hat es jetzt auch schon begonnen, also suchten wir uns erstmal ein Mittagessen. Große Überlegungen später kam es zur Entscheidung weiterzufahren. Dem Vogelgesang folgend erreichten wir das nächste Colectivo.

Fakt: Hat die Windschutzscheibe eines Colectivos nicht mindestens 5 Sprünge, kann man per Gesetz das Geld zurück verlangen.

In einem kleinen Dorf wurden wir hinausgelassen, und suchten nach unserer Unterkunft. Wir fragten im nähesten Restaurant nach genaueren Angaben. Die Dame erklärte uns, dass die beiden Unterkünfte aus dem Reiseführer sehr teuer wären, aber es noch eine Dritte gibt – direkt daneben – von dieser Stand im Lonely Planet leider gar nichts. Nachdem wir dann sogar dorthin gebracht wurden und wir schon zu erschöpft waren um die anderen beiden auszuchecken, blieben wir dann auch in dieser. Im Endeffekt war es eine erstaunlicher Weise gute Wahl; äußerst Ruhig, billiges Frühstück und nahe an den Wasserfällen die wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Hinzu kam noch die bekanntschaft mit Bruce, ein Pensionist aus den States, der seit einigen Jahren hier in der Gegend lebt.

Am nächsten Morgen spazierten wir zum nahe gelegenen Wasserfall, inklusive heiße Quellen (Betonung auf heiß). Wie am Vorabend besprochen trafen wir dort tatsächlich auf Bruce in seiner täglichen Morgenroutine. Er zeigte uns die besten Spots; von ~38 Grad Jacuzzi über Miniunterwasserhöhle bis zur natürlichen Warmwasser Dusche.

Ein lehrreiches Gespräch später führte uns unsere Reise weiter in den nächsten Ort – El Estor. Nach dem Mittagessen brachte uns das Colectivo mit den zwei bisher fleißigsten Gesangvögel zum Canyon El Boquerón. Nach einer kurzen Kanufahrt stromaufwärts begann eines unserer größten Abenteuer überhaupt. Zwischen riesigen Schluchten kämpften wir uns – nun ohne Kanu, mit dessen Fahrer haben wir uns ausgemacht, dass er uns in etwa einer Stunde wieder abholt – immer weiter gegen die starken Strömungen dieses Flusses. Ohne wirkliches Ziel wollten wir eigentlich nur schauen wie weit wir es schaffen und haben es zwei Mal weiter geschafft nachdem wir gesagt haben thats it, hier kommen wir sicher nicht vorbei. Auf Grund der Zeitbegrenzung ließen wir uns dann wieder zum ausgemachten Punkt zurück treiben.

Wieder festen Boden unter den Füßen und ein Erfrischungsgetränk später, warteten wir am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit. Diese kam auch bald in Form eines Pick-Ups. Oben auf der Ladefläche gab einem der Fahrtwind ein befreiendes Gefühl, dass man in Österreich so wohl nie erleben wird.

Jetzt ist es hier bereits Schlafenszeit, den Morgen ist ein weiterer durchgeplanter Tag.

P.S. ist es merkbar das gegen ende der texte es nicht mehr so gut geschrieben ist wie der anfang oder kommt das nur mir so vor?

Livingston und das Mysterium um die Garifuna

Vielen Dank für die Blumen, vielen Dank, wie lieb von dir; so verabschiedeten wir uns von Flores und bedankten uns für die schönen Anblicke.

Guatemalteken sind äußerst bedacht um das Wohlergehen der Touristen. Zum Beispiel stellen sie die Federung ihrer Minibuse so ein, das man – bereits vor der darauffolgenden Bootsfahrt etwas Seekrank wird und sich gut auf die sanfte Strömung des Rio Dulce einstellen kann. Am Weg zur Anlegestelle der Boote mit Ziel Livingston, kamen wir durch ein Dorf, dessen Einwohner das Prinzip von Angebot und Nachfrage noch nicht ganz verstanden haben. Abgesehen davon, dass diese Gegend nicht unbedingt als Beverly Hills von Guatemala bekannt ist, glaube ich, dass nicht mal die Reichen 10 CAR WASH & OIL CHANGE auf einer Strecke von 5 Minuten brauchen.

In dem Ort Rio Dulce eingetroffen, überquerten wir eben diesen Fluss auf einer der angeblich längsten Brücken von Central America. Vor dem Bootsteg hinausgelassen, suchten wir uns ein Plätzchen zum Mittagessen. Direkt beim Steg kostet eine Mahlzeit 50 Quetzal, höchstens 10 Minuten Fußweg fanden wir aber ein Menü – Fisch mit Kokosnusssuppe und Tamarindsaftum 25 Quetzal. Zur Nachspeise gab es Cracker, die wir nach Entdeckung der Ameisen in der Packung allerdings an den Papageien verfütterten (Fotos @clemenstravels).

Mit dem lancha machten wir noch einen kurzen Abstecher (nur drive-by) bei einer kleinen Burg, welche als Piratenabwehr diente, bis sie ironischer Weise von Piraten nieder gebrannt wurde. Auch stinkende Hotsprings schauten wir uns im Laufe der szenischen Bootsfahrt an.

In Livingston begrenzten wir unsere Auswahl auf drei Hostels. Billig & viel Party, durchschnittliche Preise & ruhig und teuer & schön. Ich glaub die Entscheidung ist offensichtlich ;).

Am nächsten Tag schliefen wir lang (obwohl Clemens kurz nach 5 aufgestanden ist um sich den Sonnenaufgang anzuschauen) und frühstückten mit malerischem Ausblick. Gestärkt machten wir uns auf den etwa 6 Kilometer langen Spaziergang zu den Siete Altares – mehrere kleine Wasserfälle mit natürlichen Becken (Bilder hoffentlich @clemenstravels). Noch bevor wir es überhaupt aus dem Dorf schafften wurde der Rastamens von einem Garifuna Elder angesprochen. Garifuna stammen von Afrikanern ab, welche nach einem Sklavenschiffbruch in der Karibik gestrandet waren, von dort aber nach Honduras, Belize und eben Guatemala verscheucht wurden. Dieser Elder zeigte uns the real Livingston und gab uns eine kleine Einführung in deren, eher deprimierende, Geschichte.

Nach dieser fast schon unfreiwilligen aber dennoch nicht unwillkommenen Tour, ging es etwa 90 Minuten am Strand entlang. Manche Leser werden sich nun denken, wie schön es nicht wäre am Strand in der Karibik zu spazieren anstatt in Österreich zur Arbeit zu gehen. Vielleicht würden Manche ihre Meinung wieder ändern, wenn sie sehen würden wieviel Müll dort am Strand über die letzten Jahre angeschwemmt wurde. Worte können es kaum beschreiben.

Die Siete Altares machten die Tortur aber wieder gut! Kaltes klares Wasser (kaltes klares Wasser) und Sonnenstrahlen, die durch die Bäume drungen, sorgten für entspannte Momente. Am Weg zurück gabs kurz vor der Hälfte Tapado (Garifuna Seafood Specialty) und danach ein Tuk-Tuk um uns den bereits bekannten Anblick zu ersparen.

Der restliche Tag wurde mit chillen verbracht und zum Abendessen gab es Empanadas um 3 Quetzales das Stück. So jetzt setze ich dem ganzen hier ein Ende, sonst kommt ihr Armen ja gar nicht mehr zum arbeiten 😉.

P.S. Jetzt hab ich natürlich vergessen das einzubauen warum ich den Eintrag so genannt habe. Ihr bekommt jetzt nur die Kurzversion weil ich schon schlafen sollte und das hier eh schon mehr einem Roman als einem Blog ähnelt: Am ersten Abend haben wir kaum Schwarze gesehen, weder auf den Straßen noch in den Geschäften/hinter den Tresen, obwohl Livingston für aeine Afrikanisch-karibischen Einwohner bekannt ist. Unser Garifuna-Guide am darauffolgenden Tag erläuterte, dass seine Leute von den Spaniern und Mayan aus dem Tourismus und den Restaurants vertrieben wurde und sie jetzt nur mehr im Hintergrund und in den Seitenstraßen in heruntergekommen Häuser leben.

Tikal

Tikal, das Chichen Itza von Guatemala. Eine der größten und schönsten Mayaruinen die zur Besichtigung offen steht. Sie befindet sich in einem ziemlich großen Nationalpark, der aus mir unersichtlichen Gründen von stark bewaffneten Männern bewacht wird.

Die Ausgrabungsstelle ansich war noch einige Kilometer weiter. Nachdem wir dort mit dem Shuttle ankamen, hieß es auf Erkundungstour gehen. Bei der ersten Weggabelung wählten wir den anscheinend unbeliebtesten Weg, da wir die nächsten 20 Minuten alleine durch den Regenwald spazierten. Unsere einzigen Begleiter waren Spider-Monkeys. Die hatten aber – zum Glück – nur vier Extremitäten. Die kleinen Schlingel müssen aber noch an ihrer zwischenartlichen Kommunikation arbeiten, da sie offenbar Hallo sagen mit Kot nach uns werfen verwechselt haben. Als wir alle Tempel besichtigt haben und auf alles hinauf gekraxelt sind auf das man hinauf kraxeln darf, kehrten wir zum Shuttel zurück und wurden nach Hause gebracht.

Viel Tageszeit blieb nicht mehr über, aber ein Erfrischungsgetränk am Wasser mit Sonnenuntergang ließen wir uns nicht nehmen. Noch schnell Transport für unsere morgige Weiterfahrt gecheckt, und schon lassen wir den Tag sanft ausklingen!