Abenteuer und Nationalvögel

Warning – der folgende Eintrag ist leider etwas sehr lang geraten, ist das schon zu lange? Hat überhaupt jemand Zeit/Lust das alles zu lesen? Ich bin noch dabei die optimale Länge und Grad der Detailliertheit zu bestimmen.

Unsere bisherige Reise verlief in Wahrheit ziemlich geschmeidig. Den (Wasser)Weg von Livingston nach Rio Dulce wollten wir nun nicht mehr mit Tourishuttle zurücklegen, sondern endlich mal traveln wie die locals. Wir sind ja schließlich in Guatemala, es fühlte sich schlichtweg falsch an ständig die einfachere und teurere – wenn auch bequemere – Variante zu wählen. Die andere Option war in diesem Fall ein Boot in die Hafenstadt Puerto Barrios und von dort ein Minibus nach Rio Dulce mit einmal Umsteigen.

Fakt des Tages: In Mittelamerika gibts es zwei verschieden Wörterbücher, Eines für den Alltag und das Sonn- und Feiertagwörterbuch. Leider sind in dem Zweiteren Begriffe wie “pünktlich” und “Abfahrtszeiten” nicht enthalten.

Wir standen also am Steg und erfragten um wieviel Uhr denn das nächste Boot nach Puerto Barrios ging. “Es fährt wenn es voll ist” erklang es aus dem Tickethäuschen. “Halb so wild,” dachten wir uns, “wir haben ja keinen Stress.”. Die 4€ pro Person wanderten über den Tresen, und ich fragte noch schnell “Wieviele andere warten denn bereits?”.

“Tres otros… Sale cuando son veinte.”

“Ahh, gracias.”

Nach einer gefühlten Stunde Wartezeit begann die zuerst ruhig und dann immer wildere werdende Buchtenüberquerung endlich. In der rustikalen Hafenstadt wurde uns first things first direkt ein Taxi zum Verbindungsbus angeboten. Nein danke, die 800 Meter tragen uns unsere Füsse gerade noch.

Fakt der Woche: Im Mittelamerikanischen Wörterbuch (hierbei wird nicht zwischen den Beiden unterschieden) bedeutet das Wort Nein erst Nein, wenn man es zum fünften Mal sagt. Davor ist es eher mit Ja, bitte verkauf mir jede Dienstleistung die es nur so gibt gleichzusetzen.

Bei den Minibusen – auch colectivos genannt – eingetrotten, erlebten wir den Nationalvogel Guatemala’s, und dessen Gesang, zum ersten Mal so richtig. Die Rede ist vom Colectivoschaffner, der mit seinem Balzruf versucht möglichst viele Kunden in sein Gefährt zu stopfen. Beachtlich ist dabei die Ausdauer, Amateure hätten nach einem Konzert ihrer Lieblingsband noch eine bessere Stimme, als nach einem Tag im Colectivo.

Wir wurden also vom drängenden Hupen des Fahrers und den Rufen der Schaffner dazu überredet mitzufahren – was von vornherein unser Plan war. Da der Fahrer ein wenig gestresst wirkte, als ob er im Zeitplan hinten nach wäre, dachten wir uns “Super, wir fahren sicher gleich los.”. Nach geschätzten 20 Minuten stellte sich heraus das es noch viel über das Verhalten der Mittelamerikaner zu lernen gab.

Los ging es dann schließlich wenn das Auto wirklich voll war, und auch dann kam das Prachtexemplar eines Nationalvogels erst so richtig in Schwung. Lauthals verkündete er im Minutentakt wohin wir fahren, und erklärte Jedermann, dass sie eigentlich mitfahren wollten, es nur noch nicht wussten. 50 Kilometer Rallyrennen später wurden wir angewiesen auszusteigen, Clemens Handy ortete uns aber noch nicht in unserem Zielort. Kurze Verwirrung später saßen wir in einem anderen Colectivo und waren auf der Zielgeraden nach Rio Dulce.

Kaum ausgestiegen erfuhren wir von dem besten Hotel Guatemalas, die Information gabs natürlich aus Freundlichkeit und auf keinen Fall weil der Informant davon profetieren könnte. Apropos, “das Hotel das ihr sucht? Nein das gibts schon lange nicht mehr. It’s closet, closed, cerrado.” Da sich das sogar als wahr herausstellte, empfohl der Reiseführer ein Anderes das zwei Mal umfallen entfernt war. Die Zimmer waren allerdings feucht und mit Gelsen verseucht, von den “comfiest rooms in town” war hier wenig zu sehen (falls dies doch der Fall war, wäre es umso trauriger gewesen). Der Reiseführer lag hier nicht zum ersten Mal falsch, und wie sich noch öfters herausstellte, auch nicht zum letzten Mal.

Zu regnen hat es jetzt auch schon begonnen, also suchten wir uns erstmal ein Mittagessen. Große Überlegungen später kam es zur Entscheidung weiterzufahren. Dem Vogelgesang folgend erreichten wir das nächste Colectivo.

Fakt: Hat die Windschutzscheibe eines Colectivos nicht mindestens 5 Sprünge, kann man per Gesetz das Geld zurück verlangen.

In einem kleinen Dorf wurden wir hinausgelassen, und suchten nach unserer Unterkunft. Wir fragten im nähesten Restaurant nach genaueren Angaben. Die Dame erklärte uns, dass die beiden Unterkünfte aus dem Reiseführer sehr teuer wären, aber es noch eine Dritte gibt – direkt daneben – von dieser Stand im Lonely Planet leider gar nichts. Nachdem wir dann sogar dorthin gebracht wurden und wir schon zu erschöpft waren um die anderen beiden auszuchecken, blieben wir dann auch in dieser. Im Endeffekt war es eine erstaunlicher Weise gute Wahl; äußerst Ruhig, billiges Frühstück und nahe an den Wasserfällen die wir uns am nächsten Tag anschauen wollten. Hinzu kam noch die bekanntschaft mit Bruce, ein Pensionist aus den States, der seit einigen Jahren hier in der Gegend lebt.

Am nächsten Morgen spazierten wir zum nahe gelegenen Wasserfall, inklusive heiße Quellen (Betonung auf heiß). Wie am Vorabend besprochen trafen wir dort tatsächlich auf Bruce in seiner täglichen Morgenroutine. Er zeigte uns die besten Spots; von ~38 Grad Jacuzzi über Miniunterwasserhöhle bis zur natürlichen Warmwasser Dusche.

Ein lehrreiches Gespräch später führte uns unsere Reise weiter in den nächsten Ort – El Estor. Nach dem Mittagessen brachte uns das Colectivo mit den zwei bisher fleißigsten Gesangvögel zum Canyon El Boquerón. Nach einer kurzen Kanufahrt stromaufwärts begann eines unserer größten Abenteuer überhaupt. Zwischen riesigen Schluchten kämpften wir uns – nun ohne Kanu, mit dessen Fahrer haben wir uns ausgemacht, dass er uns in etwa einer Stunde wieder abholt – immer weiter gegen die starken Strömungen dieses Flusses. Ohne wirkliches Ziel wollten wir eigentlich nur schauen wie weit wir es schaffen und haben es zwei Mal weiter geschafft nachdem wir gesagt haben thats it, hier kommen wir sicher nicht vorbei. Auf Grund der Zeitbegrenzung ließen wir uns dann wieder zum ausgemachten Punkt zurück treiben.

Wieder festen Boden unter den Füßen und ein Erfrischungsgetränk später, warteten wir am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit. Diese kam auch bald in Form eines Pick-Ups. Oben auf der Ladefläche gab einem der Fahrtwind ein befreiendes Gefühl, dass man in Österreich so wohl nie erleben wird.

Jetzt ist es hier bereits Schlafenszeit, den Morgen ist ein weiterer durchgeplanter Tag.

P.S. ist es merkbar das gegen ende der texte es nicht mehr so gut geschrieben ist wie der anfang oder kommt das nur mir so vor?

3 thoughts on “Abenteuer und Nationalvögel

  1. …deine texte sind wunderbar, für mich können sie nie zu lang sein😘, ein foto dazu wäre perfekt.
    du musst dich entscheiden: kurzer blog oder längerer „abenteuerreisebericht“. ich bin für zweitere variante😉

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