Off the beaten track

Von El Estor aus wurden wir um 6:00 von einem Boot abgeholt, mit dem Ziel Seekühe zu sehen. Nur wir beide und der Kapitän, ein ganzes Naturreservoir nur für uns (fast, ein paar verstreute Fischer waren unterwegs) und drei Stunden Zeit. Dennoch waren wir im Nachhinein ein wenig enttäuscht und fast schon erfroren. Durch ein Zusammenspiel aus dem Fahrtwind, der frühen Tageszeit und der Badebekleidung kann einem selbst in Guatemala kalt werden. Manatees gab es keine zu sehen, lediglich deren Luftblasen (woher der Guide wusste von welchem Tier die stammen bleibt ein Rätsel) und einige Affen und Iguanas. Zum Glück war die Tour nur 300 Quetzales und nicht 300 Dollar wie uns ein Tripadvisorbericht glauben ließ.

Wir holten schnell unsere bereits zusammen gepackten Backpacks und eilten zum zentral gelegenen Park von wo die Colectivos in alle Richtungen los starteten. Zu Beginn war die Straße in einigermaßen gutem Zustand. Verwundert fragten wir uns warum dies hier mitten im Nirgendwo der Fall ist, es wurde uns allerdings klar als wir die riesige russische Bergbauanlage sahen, die eben diese Wege benutzte um per LKW das abgebaute Nickel zu transportieren. Zudem konnten wir die Narbe in der natürlichen Berglandschaft, die wir bereits vom Wasser aus erblickt haben, nun erklären.

Als wir das erste Mal Fahrzeug tauschten, da keines direkt zu unserem Zielort fuhr, war in dem bis zum Rand vollen Gefährt von Touristen nichts mehr zu sehen. Unser Plan war eigentlich die Rucksäcke immer mit ins Colectivo zu nehmen, auf Grund des Platzmangels mussten wir dann aber wohl oder übel zustimmen, die Tramper aufs Dach schnallen zu lassen. Wir waren aber gescheit genug alle unsere Wertsachen und Geld in den Daypack zu geben. Etwas über drei Stunden bewegten wir uns mit durchschnittlich 20km/h durch die Highlands Guatemala’s. Nachdem wir etliche Holzhütten passierten, viele ohne Boden oder echte Türen, kamen wir in den Ort Cahabon. Wir waren uns nicht sicher ob hier schon einmal ein Tourist übernachtet hat. Nichtmal mit perfektem Spanisch kommt man an diesem Fleck der Welt immer gut aus, ansonsten wirkte es recht interessant und auf jeden Fall sehr authentisch, aber wir fuhren doch lieber weiter. Angeblich sind ca 80% der guatemaltekischen Bevölkerung Maya und sprechen demnach auch viele verschiedene Sprachen. Auch in diesem Bergdorf war die Hauptsprache nicht Spanisch, sondern Q’eqchi.

Unser letztes Colectivo des Tages war zum Glück wesentlich weniger voll und wir ergaterten sogar einen Sitzplatz. In Lanquin angekommen waren wir überrascht über die billigen Zimmerpreise und entschieden uns demnach für ein Zimmer mit schönem Ausblick über das Tal. Lanquin ist zwar schon wieder etwas touristischer (wegen Semuc Champey) aber trotzdem merkt man, dass es ein abgelegenes Plätzchen ist. Zum Abendessen gab es Chufle mit Reis in einem überaus nettem und authentischem Restaurant (wir wissen nicht wirklich was Chufle ist aber ihr könnt es ja googlen, irgendeine Pflanze).

Mit der Sonne erwacht auch das Dorf, da wir aber sowieso früh aufstehen wollten, störte uns das weniger. Frühstückslokal war zur am Vortag vereinbarten Uhrzeit noch geschlossen (typisch Lateinamerikaner halt), also mussten Pupusos vom Straßenstand herhalten. Bevor wir auf die Ladefläche stiegen, senkte Clemens den Preis für den Pick-Up nach Semuc Champey mit geschicktem Verhandeln um ca 60%. Fast direkt zur Eröffnung des Geländes standen wir vorm Eingang. Als erstes hieß es ca 40 Minuten lang steile Stufen zur Aussichtsplatform hinaufsteigen, von dort hatten wir einen wunderbaren Blick auf die gesamten Becken, welche mit türkisem Wasser gefüllt sind (leider war diese Aussicht kaum zum einfangen auf Fotos).

Nach dem Abstieg und einer frischen Kokosnuss bestaunten wir die reißende Strömung vom Fluss Cahabon, der vor dem ersten Becken in eine Höhle verschwindet und unter den restlichen Becken durchfließt, bis er auf der anderen Seite wieder hinausfließt. Man ist sozusagen auf einer natürlichen Brücke. Da wir so zeitlich dort waren, blieben uns andere Menschen für einige Zeit erspart und wir genossen das Wasser und die relativ milde Sonne.

Zu Mittag verließen wir den Park kurz um zu essen – diesmal nicht Streetfood, es hätte zwar welches direkt vorm Eingang gegeben aber das hat ziemlich unappetitlich ausgeschaut – sondern das näheste Naturhotel, das auch ein Restaurant dabei hatte. Gesättigt erkundigten wir dort noch einen kleinen Wanderweg und die letzten Becken die wir uns “aufgehoben” haben für den Nachmittag. Zu dieser Uhrzeit waren leidee bereits große Gruppen Touristen vor Ort. Trotzdem entspannten wir noch und tankten Sonne, bevor sie hinter Wolken verschwand. In dieser Hügel-/Berglandschaft ist das Klima doch schon bemerkbar anders als an der Küste oder im Flachland. Am Heimweg mussten wir warten bis sich das Colectivo füllt, also sagten wir dem Fahrer das wir währenddessen zur Brücke (diesmal vom Menschen gebaut) vorspazieren, welche nur wenige Minuten Gehweg entfernt war. Beim hinunterschauen ist dem Clemens dann ein Schuh hinuntergefallen 🤦🏻‍♂️. So blieb der zweite dann auch dort, siehe Foto @clemenstravels.

Zum blogschreiben und hochladen gab es heute sogar ein Craftbeer. Noch ein bisschen Route planen, weil wir doch noch einige Tage über haben und schon ist es gefühlt 22 Uhr. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es doch erst kurz nach 19 Uhr ist. Es kommt einem aber auch immer später vor als es eigentlich erst ist, teilweise wahrscheinlich weil es eher früh dunkel wird.

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