Die Halbinsel Guajira ist der nördlichste Teil von Kolumbien. Ein kleiner Teil davon liegt in Venezuela und belebt wird diese Wüste hauptsächlich von den Wayu-Menschen. Beachtung von der Regierung bekommen die Dörfer hier nur wenig, die meisten haben nur 2-3 Stunden am Tag Strom und kaum oder gar kein fließendes Wasser, die meiste bestehende Infrastruktur gibt es nur wegen dem Güterhafen im Norden. Straßen existieren hier nicht wirklich, nur ganz selten sieht man wenige Meter lange Stücke asphaltiert – diese dienen für Fotos damit die Regierung zeigen kann, dass sie doch eh Unterstützung leistet.
Von Palomino nahm ich einen Bus in Richtung Maicao; die erste Stadt nach der venezuelanischen Grenze und welche deswegen in den letzten Monaten/Jahren ein Knotenpunkt für Schmugelware wurde. Kurz vor dieser Stadt ließ mich der Busfahrer an einer Wegkreuzung aussteigen. Hier standen ein paar Verkäufer mit Getränken herum; einen solchen fragte ich, wie ich weiter nach Uribia komme. Er teilte mir mit, dass das Auto gerade weggefahren ist und das nächste zu diesem Ort erst in ca 45 Minuten kommt, mit dem kann ich dafür aber gleich bis zu meinem eigentlichen Tagesziel – Cabo de la Vela – weiterfahren. Immerhin haben sie mir einen Sessel im Schatten angeboten und so hatte ich genug Zeit um das lustige Treiben auf dieser Kreuzung zu beobachten. Autos und Buse kamen, ließen Leute ein- und aussteigen, Fahrer plauderten mit den Verkäufern, streunende Hunde suchten nach Essen, die Landschaft war bereits etwas trockener, nur Touristen waren keine zu sehen. Es kam schließlich ein 4×4-Ford mit umgebauter Ladefläche, die ein bisschen wie ein Viehkäfig aussah (Foto unten). Neben Zuggleisen ging es pfeilgerade in den Norden.
In Uribia gab es wie angekündigt eine kleine Pause, da es ungefähr Mittag war suchte ich mir etwas zu essen und ein paar Snacks für die kommenden Tage. Snacks waren im Endeffekt alles was ich fand, meinem Magen ist es aber zum Glück nicht ganz so wichtig wie regelmäßig oder nahrhaft er gefüttert wird. Wieder beim Auto wurde ich von hinten gegrüßt/angesprochen. Im ersten Moment etwas verwirrt bemerkte ich jedoch schnell, dass es sich um Gringos handelte, die mich aus der Menschenmenge an Indigenen herausstechen sahen (hier ist es eher wie in Guatemala als im Rest von Kolumbien). Die drei Mädchen aus Hong-Kong, von denen in Wahrheit keine wirklich aus Hong-Kong war, wollten offensichtlich auch nach Cabo de la Vela und dann weiter zum Punta Gallinas. Es stellte sich im laufe der Tage heraus, dass sie den gleichen Reiseblog zu diesem Abschnitt gelesen haben wie ich, und daher den gleichen Zeitplan hatten wie ich. Gemeinsam beganen wir unsere Weiterreise auf der Ladefläche, mittlerweile begraben von Bergen an Lebensmittel (da Uribia der letzte “richtige” Ort ist). Der Wagen kam erst ins Rollen als absolut niemand oder nichts mehr hinten hinein passte, zwei oder drei Männer waren sogar am Dach. Über eine Schotterstraße fahrend sahen wir die Vegetation immer spärlicher werden. Nach dutzenden Kilometern nahmen wir die Abzweigung nach Cabo de la Vela, die Hauptstraße geht weiter zu einem Hafen, zu dem auch die Gleise führen. Unsere Straße wurde sehr bald zu Fahrspuren durch die Steppe vermindert. Den Boden sah man an manchen Stellen zersplittern wie man es aus Filmen/Comics kennt, an anderen Stellen war er fast schon gatschig. Die Ladefläche wurde immer geräumiger je mehr Häuser wir passierten und schon bald fuhren wir neben dem Meer entlang – weit konnte es nicht mehr sein.
Im “Ort” angekommen fanden wir ein “Hostel” das überdachte Hängematten anbat, in einem “Raum” ohne jegliche Wände. Zuerst wirkte das befreiend und angenehm, als der Wind in der Nacht allerdings stärker wurde, sehnten wir uns nach dem Schutz. An diesem Abend gab es nur mehr ein einfaches Abendessen plus ein venezuelanisches Bier und dann war bereits Sendepause. Am nächsten Tag stand mehr Program am Tagesplan. Ausgemacht war, dass wir mit Motorräden zu verschiedenen points of interest in der Nähe gebracht werden. Es kamen allerdings nur zwei klapprige Motorräder für die vier von Uns. Wir mussten zu dritt je ein Zweirad besetzen, uns selbst fahren lassen wollten sie nämlich auch nicht. Zum Glück hatten wir keine Helme oder Handschuhe… Bei einem der Stopps konnten wir uns auch im wilden Meer erfrischen. Zu Mittag gab es Fisch und Entspannung in der Hängematte, den atardecer schauten wir uns von einem Leuchtturm an – 3 Meter hohes Stahlgerüst mit Lampe oben drauf hätte es allerdings besser getroffen.
Gestern wurden wir um 6:30 mit einem Auto abgeholt und fuhren in Richtung Punta Gallinas. Am Weg kamen wir bei mehreren Wayukindern und Wayufrauen vorbei, die Ketten über die Straße spannten und Süßigkeiten oder Geld vom Fahrer verlangten. Da er aber selbst Wayu war gab er ihnen nichts; wie sich später heraus stellte scheint niemand der Fahrer ihnen etwas zu geben, wozu sie also diese Blockaden aufbauen blieb ein Rätsel. Wo nahe Cabo de la Vela meistens noch Sträucher oder karge Bäume zu sehen waren, fuhren wir gestern großteils durch komplett flache und lebenslose Wüste. Angeblich kann es passieren, dass man ein Boot braucht um diese Strecke zu überqueren, wenn es stark regnet. Wann es hier aber so stark regnen soll ging uns (daweil) nicht ganz auf. Nach drei sehr holprigen Stunden kamen wir zu einem kleinem Fluss, wo wir auf ein Boot wechselten. Wenige Gehminuten nach der Überquerung später und wir waren bei unserer Unterkunft. Aufs verspätete Frühstück folgte eine weitere Tour verschiedener Sehenswürdigkeiten, unter anderem Punta Gallinas. Der Punkt der Hehnen ist der nördlichste Punkt des Festland Südamerikas. Ansich ist die Aussicht dort aber nichts Besonders, ein paar kleine lustige Steintürme sind – vermutlich von anderen Touristen – errichtet worden. Das beste des Ausfluges kam allerdings noch, Sanddünen die direkt ins Meer verlaufen. Meine Reisegefährten erzählten mir, dass es vergnügsam ist diese hinunter zu laufen (sollte ähnlich wie in der Asche beim Vulkan sein) und sich dann ins Meer zu werfen. Sie machten es vor, ich machte es nach. Ich hab aber die Memo verpeilt, dass sie nicht so schnell gerannt sind wie sie konnten, was ich schon tat… Schon auf der Zielgeraden, ca 2 Schritte vor dem Wasser, verlor ich schließlich das Gleichgewicht. Foto der Auswirkungen ist unten zu sehen (nichts für dich Mama ;)). Im Wasser meine Wunde kühlend, bemerkten wir das bizarste Ereignis des Ausfluges, welches lustigerweise wenige Stunden vorher bereits prophezeit wurde. Es began zu schütten, volle Wäsche, so stark, dass es richtig unangenehm auf der Haut war. Hier, wo wahrscheinlich einmal im Jahr der Boden vom Himmel gegossen wird. Nach einer viertel Stunde war es aber auch schon wieder vorbei, die Sachen trockneten immerhin immens schnell.
Zum Mittagessen gab es Fisch, what else. Danach eine kleine Ruhepause in meinem Chinchorro; Nein, das hat nichts mit den mexikanischen Churros zu tun sondern ist eine traditionelle Hängematte der Wayu, äußerst chillig und stylisch.
Rechtzeitig vorm Sonnenuntergang kam mein wahrscheinlicher Höhepunkt des Trips in die Wüste. Die Guides sagten uns lediglich in welche Richtung der Strand zum Sonnenuntergang-Beobachten ist, brachten uns dort aber nicht hin. Ich spazierte also alleine fast eine halbe Stunde durch die Wüste, nur der Sonne folgend und vor dem Schatten flüchtend. Ganz alleine war ich jedoch nicht, einmal kam ein Geier fast zum Streicheln nahe, außerdem sah ich immer wieder den gleichen Hund. Außer den Singvögeln, den Ziegen und dem knirschen meiner Schuhe auf den kleinen Steinchen war es komplett still, und friedlich. Das Orange/Gelb des Boden gab zudem einen sehr schönen Kontrast zum strahlend blauen Himmel. Ich frage mich immer noch, wie die Natur es schafft, Flächen wie diese so gerade zu schaffen. Selten fühlte ich mich der Natur so nahe. Die atemberaubenden Farbspiele der Sonne blieben auf Grund der fehlenden Wolken leider aus, unbefriedigt ging ich trotzdem nicht zurück. Zum Abendessen gab es, richtig geraten, Fisch. Als das Licht ca um halb Zehn ausging, war zusätzlich noch einer der schönsten Sternenhimmel bisher zu sehen.
Heute wurde nach dem Frühstück ein großteil der gestrigen Strecke in die andere Richtung zurückgelegt; bis wir auf die Hauptstraße zum Hafen kamen und diese gen Süden fuhren. In Uribia, wo die Tour endete, konnten wir diesmal ein Auto nach Palomino nehmen, da wir immernoch zu viert waren und es demnach fast auf den gleichen Preis hinaus kam (der Fahrer fuhr auf zugegeben relativ schönen Straßen konstante 130km/h, auch wenn wir durch eine Schulzone mit 30er Tafeln fuhren). Nach einem ausführlichen Mittagessen verabschiedete ich mich von meinen nicht wirklich asiatischen Freunden, und nahm eine lang ersehnte Dusche. Die Kombination aus Salzwasser, Sand und Wind verwandelten mich nämlich in den Surferboy #1. Eine positive Sache der Wüste die mir erst im nachhinein auffiel, war die Absenz der Gelsen, die hießen mich nämlich wieder herzlich willkomen. Viel brachte der Abend in Palomino nicht mehr mit sich, zum Glück fand ich noch ein Restaurant mit Bildhochlade-schnellem Wlan (letzter Post wurde nun auch verschönert).
1. Auto mit dem wir nach C.d.l.V. gebracht wurden
2. Ausblick von Hängematten in C.d.l.V.
3. Pilon de Azucar im Hintergrund
4. Wellen die gegen die Küste krachten, eine hat sogar einen Regenbogen mit ihrem Sprühnebel erzeugt
5. Badestrand von Pilon de Azucar aus
6. Strand
6,5: Karge Landschaft nahe Leuchtturm
7. Sonnenuntergang vom Lighthouse aus
8. Farben nach dem Sonnenuntergang
9. Treppen zu unserer Unterkunft
10. Nördlichste Mensch am Festland Südamerikas
11. Steintürme am nördlichsten Punkt
12. Landschaft
13. Sanddünne
14. Panorama
15. Unterkunft im Hintergrund
15,5: Landschaft
16. Kaktus
17. Suchbild level easy
18. Thats what happens when you run down a dune and slip two steps before you made it to the sea
19. Doggo mit Sonnenuntergang




















bei tee, kerzenlicht und schnee vorm fenster lese ich mit vergnügen und bewunderung deinen reisebericht und betrachte am 1.dezember deine tollen fotos von wüste und meer!👍🏻😘
suchbild: krabbe, die sich dem untergrund angepasst hat!😜
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👌🏼
Ja die war voll süß haha
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Waaaahnsinn, das klingt echt unglaublich abenteuerlich und ‚wüst‘ ;)! Die ganze Stimmung dort und diese Landschaft & Natur müssen ja wirklich was besonderes sein. Schön dass du ein paar Leute kennen gelernt hast, und nicht ganz alleine ans Ende der Welt fahren musstest 🙂
Bin gespannt wie es jetzt, wo dich die Zivilisation wieder hat, weitergeht! Angelamuddi hat recht mit dem Winterwonderland, wir haben hier, rechtzeitig zum ersten Adventkalendertürchen, jedenfalls eine ganz andere Art von Wüste ❄️🌨
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Bin auch gespannt^^
Na solang noch nicht gatsch draus wurde is eh schön
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Ur genial alles 😀
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Spitze… freu mich für dich!!
Hier Winterwonderland…..
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