Unter den Geiern

Wieder in Medellin erkundeten wir gestern am Vormittag den botanischen Garten. Sehr viel spannendes gab es dort zur Zeit aber gerade nicht zu sehen. Die Orchideenausstellung wird renoviert und sonst wirkt es eher wie ein großer Park mit einem Teich. Um 14:19 (weiß der Geier warum zu so einer sonderbaren Uhrzeit) war der Treffpunkt für eine weiter Walking-Tour, diesmal aber durch das Zentrum. Es wären nur 3 Stationen mit der U-Bahn gewesen, aber wir waren bereits etwas knapp dran weil wir länger als gedacht auf unser Essen-to-go warten mussten, also nahmen wir ein Taxi. Zuerst hat er aber die falsche Adresse verstanden und dann war ein (für hier äußerst typischer) Mörder-Stau. Gerade noch so erwischten wir die Gruppe als sie bereits losgehen wollte; im Nachhinein war ich froh, dass wir nicht zu spät gekommen sind. Der Führer war ein talentierter und lustiger Redner/Erzähler. Er erklärte uns die Geschichte seiner Heimatstadt und wie sie sich aus dem dunklen Loch, das die 70er & 80er waren, wieder hinaus gezogen hat. Alles in allem war es eine sehr informative und unterhaltsame Führung und half einem das Zentrum besser zu verstehen.

Nach einem selbst gekochten Abendessen wollten wir noch für 1-2 Erfrischungsgetränke in eine Bar gehen, nachdem diese dann aber zusperrte fanden wir zufällig noch eine chupito bar voller kolumbianischer Mediziner die ihren Ausbildungsabschluss feierten. Mitgerissen von der fröhlichen Stimmung kamen wir schlussendlich erst um 4:30 ins Bett. Grundsätzlich wäre das kein Problem, wir mussten aber bereits um 8:30 aufstehen um unsere Sachen zu packen, frühstücken und schließlich von einem Auto abgeholt zu werden und paragliding (Gleitschirmfliegen) gehen. Etwas angeschlagen saßen wir also ungefähr eine Stunde im mittlerweile vertrauten Verkehr Medellins. Ausgestiegen sind wir auf einem der umliegenden Hügel. Einige Stiegen später waren wir auf der Abflugsstrecke; ein kurzes Video war unsere einzige Einführung in den uns unbekannten Sport, danach waren wir schon an unseren jeweiligen Ausbilder gebunden und liefen auf den Abgrund zu. Bevor man es wirklich realisiert ist man in der Luft. Das Wetter war zum Glück perfekt, so war die Sicht ebenso grandios. Zuerst denkt man sich wow sind wir hoch, bis der Pilot uns in eine warme Windströmung lenkt und man plötzlich einige hundert Meter höher ist. Das Gefühl ist einzigartig, es fühlt sich so entspannt an in diesem Geschirr sitzend aber gleichzeitig gibt der Flugwind und der Ausblick einem einen Adrenalinschub. Die Herrscher dieser Lüfte, die Geier, zeigten uns wo man guten Auftrieb bekommt und begleiteten uns sogar als wir durch die Wolken schwebten. Gegen Ende hin (gebucht waren nur 15 Minuten, allerdings für den Spotpreis von 37€) vollbrachte der Pilot noch einige kleine Kunststücke. Im Kreis drehend näherten wir uns dem Boden, eher fallend als fliegend. Die ersten paar Minuten mit neuerlich festem Boden unter den Füßen fühlte es sich ein wenig komisch an und ein ähnliches Gefühl zur Seekrankheit kam auf, doch ob das nicht auch teilweise wegen dem Schlafmangel war weiß ich nicht.

Als Ausgleich verbrachten wir den restlichen Tag eher ruhig; am Abend besuchten wir eine Bar mit ballpit (diese Pools gefüllt mit Plastikbällen). Ziemlich komisches Gefühl bis zum Kopf in diesen Bällen unter zu gehen, während man versucht sein Bier über “dem Wasser” zu halten, aber wenn man es einmal heraus hat, kann man recht enstpannt “sitzten”. Ich hätte allerdings fast einen meiner Flip-Flops verloren und hab ihn nur durch Glück wieder gefunden; mit Wertsachen sollte man hier wirklich aufpassen.

Zu sehen ist diesmal nicht viel, lediglich ein Platz der früher Obdachlosen- und Junkie-Hotspot war und nun ein Platz der Hoffnung ist; ein Imperial Stout im passenden Umfeld; und wir umgeben von Plastikbällen.

9 thoughts on “Unter den Geiern

  1. wow, unfassbar, der unerschrockene abenteuerlustige k. in den lüften!😉 auch wenn ich es höchstwahrscheinlich nie ausprobieren werde, stell ich mir das gefühl einfach wunderbar vor!
    beim ikea gibt es für kleinkinder auch solche becken mit bällen gefüllt😜😂

    Like

  2. HAHAHAHAHAH sehr unterhaltsam dein Bericht 😀
    voll cool dass ihr paragliden Warts, würd ich auch gerne mal machen…
    musst auch unbedingt noch den kolumbianischen Nationalsport, Tejo, ausprobieren, das is freaky…
    Viel Spaß weiterhin!!!!! Bussi

    Like

  3. Waaaahnsinn, paragliden! Und ballpool, und ein craftbeer das der Clemens nicht gefunden hat 😁 du machst so viele coole Sachen 🙂 taugt dir medellin schon mehr? Es klingt auf jeden Fall so! Suuuper Bericht jedenfalls. Wie heißen deine Reisegefährtinnen? Wirst du mit denen dann auch weiterfahren?
    Bin schon sehr gespannt wie es weitergeht 🙂

    Like

    1. Haha ja paragliden war echt leiwand! Besonders über medellin.
      Ahm es is ok, besser als am anfang aber nichts mega besonderes
      Milou and Dorie
      Ja aber nicht lange, sie fahren in richtung ecuador und ich will dann eher mal richtung osten

      Like

Leave a reply to konstisadventures Cancel reply